Es ist schon ein Bisschen SEHR lange her, seitdem ich meinen letzten Bericht geschrieben habe und deswegen kommt jetzt endlich der nächste...
Den folgenden Text habe ich als "Quartalsbericht" an meinen Rotary-Koordinator in Deutschland verfasst, deswegen ist er ziemlich formell und weicht etwas von meinen bisherigen EInträgen ab... aber ich hatte einfach nicht den Nerv, mich hinzusetzen und noch einmal genau den selben Inhalt anders zu formulieren... :)
...Los geht's..
Vieles ist passiert in den letzten paar Monaten und es wird nicht weniger in den restlichen Wochen. Gegen Ende des Jahres scheint der Terminkalender nur so zu platzen.
Kurz nach unserem Springbreak-Trip nach Seattle, wieder in Chadron, stand der Wechsel zu meiner dritten Gastfamilie an. Ich war traurig, meine jetzige Familie verlassen zu müssen, da wir so eine schöne Zeit miteinander verbracht hatten und wir uns so gut verstanden haben, doch ich war gespannt auf das Leben in meiner neuen Familie, die ich kurz vorher kennen gelernt hatte und die sehr nett schienen.
Doch am Abend bevor ich umziehen sollte, alle meine Koffer waren schon gepackt, bekam ich einen Anruf von meinem Counselor mit einer traurigen Nachricht. Bei meinem zukünftigen Hostdad war Krebs im Endstadium festgestellt worden und in dieser schwierigen Zeit fühlte sich die Familie nicht mehr bereit, einen Austauschschüler aufzunehmen. Auch wollten sie mich nicht unnötig belasten. Bei einem Treffen mit meinem Counselor und meiner Gastfamilie in den folgenden Tagen haben wir alle zusammen beschlossen, dass ich bis zum Ende bei meiner jetzigen Gastfamilie bleiben würde, da mein Counselor sich nicht sicher war, wie schnell er eine neue Familie finden kann und ob sich dann überhaupt noch lohnen würde, angesichts der Tatsache dass sich mein Jahr schon bald zum Ende neigen würde.
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| Mein 4x400m Staffelteam: Ashlyn, Peyton, ich und Ashlea |
Meine Wochen im April waren übersäet mit Trackmeets. Im März hatte die Leichtathletik Saison begonnen und ich bin dem Team sofort beigetreten, froh nach einer einmonatigen Pause nach dem Ende der Basketballsaison wieder Sport treiben zu können. Zuerst habe ich mich beim Hochsprung versucht, doch nach ein paar Wochen habe ich dann zum Lauf-Team gewechselt und bin die 400 und 800m Staffeln gelaufen. Oft hatten wir zweimal pro Woche ein Meet, und auch sonst hat Track, wie alle Schulsportarten hier in den USA, einen großen Teil meines Alltags eingenommen, mit fast zwei Stunden Training pro Tag.
Neben Track bin ich auch Mitglied bei den “Future Business Leaders of America” (FBLA). Anfang April war dann “FBLA State” in Omaha, NE. Zusammen Mit zwanzig anderen Schülern bin ich in die Landeshauptstadt meines Staates gefahren und dort haben wir dann alle an verschiedene Tests in Businessbereichen teilgenommen. Ich habe Tests in den Bereichen “Business Law” und “Sports Management” teilgenommen. Außerdem habe ich an der Disziplin “Job Interview” und “Global Business” teilgenommen. In der Kategorie “global Business” haben sich meine Partnerin und ich sogar für die “Nationals” in Orlando, FL qualifiziert. Allerdings finden diese genau in dem Zeitraum statt, wenn ich auf meiner USA-Rundreise sein werde, und deswegen werde ich dort leider nicht teilnehmen können.
Schnell neigte sich das Schuljahr von dort aus zum Ende und Anfang Mai war dann “Prom”, der typische Ball am Ende des Schuljahres, bei dem die Mädchen viel zu teure Kleider tragen, sich Sonnenbräune mit einer Sprühdose auf den Körper spritzen lassen, sich ihre Fingernägel bunt bemalen und ihre Haare in kleine Meisterwerke aus unzähligen Locken verwandeln lassen. Die Jungs “mieten” sich Anzüge übers Internet und manche mieten sogar Limousinen. Für eine Nacht werden dann alle Sorgen vergessen und es wird getanzt bis ins Morgengrauen.
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| Prom King VInce und ich |
Ich war sehr gespannt auf Prom, denn ich hatte schon viel darüber von Freunden gehört und in Filmen gesehen. Mein Kleid hatte ich schon in Seattle gekauft, schlicht und schwarz, im Gegensatz zu den Kleidern manche meiner Freundinnen, deren Farben mich an Paradiesvögel erinnert haben. Eine Woche vor dem Ball wurden dann die Kandidaten für Prom King und Queen gewählt, jeweils drei Mädchen und Jungen aus der Senior-Klasse. Die Überraschung war groß, als ich erfahren habe, dass ich eine Anwärterin für den Titel der “Prom-Queen” war und meine Aufregung wuchs weiter. Am 7. Mai war es dann soweit. Nachdem ich schön ausgeschlafen hatte, ging es mittags zur Friseurin, die meine Haare kunstvoll in ein Kunstwerk aus geflochtenen Zöpfe und Locken verwandelte. Am Nachmittag habe ich mich dann mit meinen Freundinnen getroffen und zusammen haben wir uns dann fertig gemacht. Abends um 6 ging es dann zum lokalen College, in dessen Räumlichkeiten Prom stattfand. Es gab einen Grand March, bei dem alle Schüler in einer Parade über die Bühne gelaufen sind und ihre Kleidern/Anzüge den Leuten des Dorfes gezeigt haben, die sich alle dort versammelt hatten. Danach folgte die Krönung des Prom King und der Prom Queen. Mit zwei anderen Kandidatinnen für die “Queen” und drei “King-Kandidaten” stand ich auf der Bühne und habe ungeduldig der Rede des “Student Council President” zugehört und auf die Verkündung der Namen gewartet. Zuerst wurde der Prom King gekrönt, es war der Freund meiner Gastschwester. Dann kam die Krönung der Königin, und der Titel ging an mich! Als neu gekrönte “Prom Royalty” standen uns dann mehrere Fotoshootings mit der lokalen Zeitung, der Schülerzeitung und der Jahrbuch-AG bevor und für fast 15min mussten wir dauerlächeln. Als dann endlich alle Fotografen zufrieden waren ging es zum Buffet und schließlich zum “Dance“. Bis kurz nach Mitternacht wurde ausgelassen getanzt und dann gab es noch eine “After-Prom Party”, die bis in die Morgenstunden gedauert hat.
Ein paar Tage darauf folgte dann schon meine erste Begegnung mit echtem nebraskanischen Frühlingswetter: Meine erste Tornado-Warnung. Wir waren gerade alle bei der “Honor-Night” in der Schule, als plötzlich alle wichtigen Leute unserer Schule nach einander von der Bühne geholt wurden und hektisch am Bühnenrand diskutierten. Ein paar Minuten später wurden alle Schüler und ihre Familien die gekommen waren, um Urkunden für besonderer Leistungen entgegen zunehmen, in den Tornado-Schutzkeller gebeten, und mussten dort für ein ein-halb Stunden ausharren, bis der kommende Tornado keine Gefahr mehr darstellte.
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| Am letzten Schultag haben wir in meiner "Culinary Arts" Klasse Torten verziert :) |
Am 11. Mai war dann mein letzter Schultag. Während die meisten Seniors freudig zur Schule gekommen waren, war ich doch etwas traurig, denn das Ende des Schuljahres symbolisierte auch das baldige Ende meines Austauschjahres. Ich hatte die Schule immer gemocht, denn den Unterricht fand ich nie besonders schwer und dort habe ich jeden Tag meine Freunde getroffen.
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| Familie Darnell und ich vor der Graduation Zeremonie |
Vier Tage später war dann Graduation, das offizielle Ende jeder High-School-Karriere. Mit „Cap und Gown“ ging es in die Sporthalle des Colleges, wo die Zeremonie stattfand. Siebenundfünfzig Seniors, ich eingeschlossen, haben ihre „Diplomas“ (in meinem Fall nur ein „Certificate of Attendance“) mit einem lachenden und eine weinenden Auge in Empfang genommen. Der Zeremonie folgten die unzähligen Graduation Parties mit Unmengen an Kuchen und Snacks. . Um alle seine Freunde besuchen zu können bleibt man nur circa 30min bei jeder Party und verschwindet dann zur nächsten und bei einem Stück Kuchen pro Party und fast 10 Parties ist mein Verlangen für Torte in der nächsten paar Wochen erst einmal gestillt.
Einen Tag nach meiner Graduation ging es dann für mich schon wieder los in ein nächstes Abenteuer: Die Rotary International Convention. Alle Austauschschüler der „SCRYE“-Region haben sich in New Orleans getroffen um bei der Eröffnungszeremonie der RI Convention mitzuwirken. Nach wiederholten Gesangsproben der Lieder die wir schon im Januar in Tulsa geübt hatten und wir die Lieder mittlerweile alle im Schlaf rückwärts herunter singen hätten können, war der große Moment dann endlich gekommen. Vor fast 20.000 Menschen haben wir die Lieder, die von Rotary und unserem Austausch handelten, gesungen. Außerdem durften bei der Flaggenzeremonie mithelfen, jeder Austauschschüler durfte eine Flagge tragen, mein Land war Ghana. Vor so vielen Menschen auf der Bühne zu stehen, ob alleine mit Flagge oder singend mit 200 anderen Austauschschülern war ein atemberaubendes Gefühl. Alle Mühe und die harten Proben hatten sich gelohnt und nun standen wir alle dort mit Gänsehaut. Nicht nur uns ging es anscheinend so, auch dem Publikum, denn neben dem RI Präsidenten waren wir die einzigen die Standing Ovations bekommen haben... Dort auf der Bühne ist etwas Magisches passiert. Jeder einzelne von uns 200 Jugendlichen kommt von den verschiedensten Orten der Welt und wir alle leben über die ganzen USA verteilt. Wir haben unterschiedliche Persönlichkeiten und Weltansichten. Jeder einzelne von uns hat ein einzigartiges Jahr erlebt, doch dort auf der Bühne in New Orleans hat nichts davon gezählt. Wir alle waren Austauschschüler und zusammen haben wir den Tausenden von Rotariern unsere Geschichte erzählt, mit Liedern, deren Texte auf uns alle zutrafen und uns alle vereint haben. Das werde ich nie vergessen. (Ein Video von der Eröffnungszeremonie: http://vimeo.com/24126966 )
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| Meine Freundin Karalee und ich :) |
Meine Entscheidung Austauschschüler zu werden war nicht nur mutig und bedeutungsschwer, sondern im Nachhinein eine der besten und wichtigsten Entscheidungen die ich je getroffen habe. Die letzten zehn Monate meines Lebens waren aufregend und lebensverändernd und haben mir so viel gegeben. Ich habe hier so viele neue Dinge ausprobiert, die in Deutschland nicht möglich geworden wären. Andere Sachen wären auch in Deutschland möglich gewesen, doch vielleicht wollte ich sie einfach nicht ausprobieren, weil ich mich nicht dafür interessiert habe. Ich bin offener geworden für neue Herausforderungen und aufgeschlossener für neue Sachen und Erfahrungen. Viele Dinge betrachte ich differenzierter und habe neue Perspektiven gewonnen.Am Anfang meines Austausches habe ich die Tage und Wochen gezählt, die ich schon hier in den USA war, doch jetzt, gegen Ende meines Austauschjahres zähle ich rückwärts, wie viel Zeit bleibt mir noch? Gerade jetzt, wenn mir hier nur noch ein paar Wochen übrig bleiben scheint die Zeit zu rasen und mein Kalender platzt voll mit Terminen. Ich habe hier so viel zu tun, da scheint mir mein vorheriges leben glatt ein bisschen langweilig.
Während ich letzten Herbst oft über zuhause und die Dinge, die ich von zuhause vermisst habe nachgedacht habe, drehen sich meine Gedanken jetzt oft um die Dinge, die ich vermissen werde, wenn ich dann wieder zuhause bin. Alles, was am Anfang so „anders“ schien, ist mittlerweile ganz normal und gehört fest zu meinem Leben.
Ich dachte immer, der Anfang und das Zurücklassen meiner Familie, Freunde und meines alten Lebens in Deutschland würde der schwierigste Teil meines Austausches sein, doch so langsam wird mir klar, dass das Ende meines Austauschjahres vielleicht noch viel schwieriger wird.
Ich wusste ja von Anfang an, dass ich wieder nach Hause zurück kehren würde, doch wann ich das nächste Mal wieder zu meinem „zweiten zuhause“ zurückkehren werde, weiß ich nicht.
Meine Interessen scheinen unvereinbar. Auf der einen Seite freue Ich mich total, endlich wieder nach Hause zu gehen, doch auf der anderen Seite möchte ich nicht alles hier zurücklassen.
Wie ihr seht, es ist nicht einfach... Aber im Moment versuche ich einfach, nicht zu viel über meinen Abschied nachzudenken, sondern mich auf das hier und jetzt zu konzentrieren. Schließlich stehen mir noch sieben ereignisreiche Wochen in den USA bevor.
:)